„Land darf Pendler nicht im Regen stehen lassen“

Als „mehr als auf einem Auge blind“ bezeichnet der Reutlinger CDU-Wahlkreisabgeordnete und Schienenexperte der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Donth, die Berichte über ein Schreiben der Grünen-Politiker an Verkehrsminister Scheuer und Bahnchef Lutz.

Dieses nennt mehrere Punkte, um die Infrastruktur auf der Bahnstrecke zwischen Tübingen und Reutlingen zu verbessern, lässt aber erhebliche Probleme im Betrieb außer Acht.

„Zunächst muss man festhalten, dass der Bund im vergangenen Jahr für genau solche Infrastrukturprojekte die Planungsverfahren vereinfacht hat – gegen die Stimmen der Briefeschreiber. Eine dringend notwendige Maßnahme, wenn es bislang bis zu 15 Jahre dauerte, um Strecken für Gleiswechselbetriebe mit Signalen und Weichen auszustatten“, stellt der Abgeordnete fest.

Die Vorschläge der Abgeordneten seien laut Donth dem Grunde nach grundsätzlich zu begrüßen, aber sie lösten keines der Probleme, die Zugreisende zwischen Tübingen und Reutlingen derzeit zu schaffen machen. Ob der Zug 20 km/h schneller oder langsamer fahre, bevor er wieder für den nächsten Bahnhof bremsen müsse, sei nicht das Problem: „Die Pendlerinnen und Pendler zwischen Tübingen und Reutlingen sind mittlerweile froh, wenn der Zug überhaupt fährt.” Noch vor kurzem hätte sich der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann mit den neuen Verkehrsverträgen und der Tatsache gebrüstet, wieviel Geld dadurch eingespart worden sei. „Bereits 2015 aber haben meine Kollegen im Landtag von Baden-Württemberg vor der Umstellung im SPNV gewarnt.

Beispielsweise vor deutlich weniger Fahrgastkapazität in den Zügen durch den Umstieg von Doppelstock- auf einstöckige Triebzüge, die uns nach der Corona-Pandemie noch hart treffen werden. Aber auch die kürzeren Umlaufzeiten und die Durchbindung der Regionalbahn nach Osterburken sorgen regelmäßig für große Verspätungen – alles Dinge, von denen leidgeprüfte, tapfere Bahnfahrer regelmäßig berichten,  die aber allein mit dem Betrieb und nicht mit der Infrastruktur zu tun haben. Von den Ausfällen auf der Ermstalbahn ganz zu schweigen. Das Verkehrskonzept der Grünen ist massiv nach hinten losgegangen. Jetzt so zu tun, als hätte der Bund Schuld, weil ein Blocksignal zwischen Nürtingen und Metzingen fehlt, hilft niemandem, der in Bad Urach vergeblich auf die Regionalbahn wartet“, moniert der Abgeordnete. Das Land habe überdies versäumt, für entsprechenden Ersatzverkehr zu sorgen: „Im Programm zur Bundestagswahl fordern die Grünen eine Mobilitätsgarantie. Es wäre schön, wenn sie dort, wo ein grüner Verkehrsminister bereits seit zehn Jahren das Sagen hat, bereits umgesetzt worden wäre.”  

Mit einem nie dagewesenen Investitionshochlauf habe der Bund in den letzten Jahren die Investitionen in das Schienennetz deutlich erhöht: „Seit 2009 haben wir im Schienenbereich die Investitionen verdoppelt. Das ist deutlich mehr Geld, als auch von Rot-Grün im Bund investiert wurde. Davon und von vielen weiteren Investitionsprogrammen profitiert auch unsere Region”, betont der Bahnpolitiker. So seien beispielsweise auch aus dem Bahnhofsprogramm des Bundes Gelder für barrierefreie Bahnhöfe zwischen Metzingen und Reutlingen-Betzingen geflossen oder werde die Elektrifizierung und der Ausbau der Ermstalbahn (Regionalstadtbahn Modul I) zu großen Teilen vom Bund getragen.  „Damit sind wir sicher noch nicht am Ende des weiteren Ausbaus, bei dem sicher auch die Vorschläge der grünen Kollegen sinnvoll berücksichtigt werden können. Aber bis dahin ist es Sache des Landes, den Fahrplan an die Gegebenheiten der Infrastruktur anzupassen, so wie es auch vor der Umstellung war. Die Reisenden zwischen Tübingen und Stuttgart haben ein Anrecht darauf, dass nicht mit fadenscheinigen Ausreden weiter nach einem Fahrplan gefahren wird, der offensichtlich nur auf dem Reißbrett funktioniert.” Die Pendlerinnen und Pendler hätten es verdient, dass sie von der Landesregierung nicht weiter – im wahrsten Sinne des Wortes – im Regen stehen gelassen würden.